Der Fehler der Deutschen

Freilich wird es im Euro-Währungsgebiet tendenziell zur Konvergenz der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen kommen. Da für alle Euro-Länder derselbe Wechselkurs und dieselben Zinsen gelten, da zudem der Güter- und Kapitalverkehr innerhalb des Euro-Währungsgebietes völlig frei ist, werden sich Preisentwicklungen und Konjunkturen allmählich anpassen. Aber von Anfang an müssen wir darauf verzichten, die europäische Geld- und Währungspolitik aus einzelstaatlicher Sicht zu beurteilen, nur die europäische Sicht zählt.

Eine Neubewertung ist auch für die Fiskalpolitik notwendig. Es war ein Fehler vor allem der Deutschen, die Begrenzung der Staatsdefizite (und der Staatsschuld) zur Kernvoraussetzung für die Europäische Währungsunion hochzustilisieren; denn der Wert des Euro hängt nicht vom Umfang der Staatsdefizite ab. Die EZB ist in keiner Weise an der Finanzierung von Staatsdefiziten beteiligt. Aus Staatsdefiziten entsteht mithin keine inflationäre Geldschöpfung. Wenn der Euro da ist, wird es dringend notwendig sein, die Diskussion über die vertretbare Höhe der öffentlichen Kreditaufnahme und damit der Staatsdefizite neu aufzurollen.

Quelle: Rüdiger Pohl: Mit dem Euro leben lernen, Kommentar, Wirtschaft im Wandel 6/1998

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