Geldgeber der letzten Instanz oder zurück zur D-Mark?

Die Vorstellung, daß mit dem gehebelten EFSF allein – also ohne fortgesetzte massive Anleihekäufe der EZB – die Krise gestemmt werden könnte, hat man innerhalb weniger Tage begraben. Und wie geht’s jetzt weiter? Die Zentralbanker sollen nun die Kohlen aus dem Feuer holen. Londoner Banken fordern ebenso wie Paul Krugman, daß die EZB sich verpflichten soll, nötigenfalls in unbegrenztem Umfang Peripherieanleihen zu kaufen. Eine andere Lösung sehe ich auch nicht, wenn man am Euro festhalten möchte.

Die Risiken dieses Vorgehens sind nicht zu verachten: Da wäre das moralische Risiko, daß die PIIGS sich mal wieder zurücklehnen und nicht zu vergessen das Inflationsrisiko. Also eine Wegscheide. Gibt es eine Alternative? Können wir nicht einfach aus dem Euro austreten? Das hätte zunächst einmal den Vorteil, daß wir wieder die Herren unseres eigenen wirtschafts- und finanzpolitischen Schicksals wären. Man könnte endlich wieder nach vorne sehen und in eigener Verantwortung das Gebotene tun.

Dann wären da noch die außenpolitischen Konsequenzen. Wir sollten uns mit den anderen soliden Euroländern abstimmen. Ein konzertierter Austritt wäre natürlich eine bessere Basis für die zukünftige Zusammenarbeit. Der europäische Bundesstaat wäre damit beerdigt, aber wer will den überhaupt? Und liebe Rettungseuropäer: Jetzt erzählt mir bitte nicht zum 101. Mal wie groß und mächtig die BRIC-Länder schon geworden sind. Und erzählt mir auch nichts von Krieg und Frieden und der Bedeutung des europäischen Absatzmarktes für die deutsche Exportwirtschaft. Ich bin prinzipiell bereit, einen hohen Preis für die Rettung des Euro zu akzeptieren, aber nicht jeden. Eine Hyperinflation oder die Perspektive über Generationen Hunderte von Milliarden Schulden anderer Leute zurückzubezahlen sind ein zu hoher Preis!

Können wir nicht die Integration auf den Stand nach der Vollendung des Binnenmarktes zurückschrauben und da mal ganz pragmatisch verharren – ohne überspannte Elitenprojekte wie den Euro? Oder ist das Wunschdenken? Kommende Generationen könnten dann noch einmal neu ansetzen. Es bleibt nur zu hoffen, daß sie aus den Erfahrungen, die wir gerade machen müssen, die richtigen Schlüsse ziehen.

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