Plan B?

Wie kommen wir raus aus dem Euro?

Spielen wir einmal die harte Variante ohne außenpolitische Rücksichten durch: Deutschland verläßt den Euro ohne sich mit den Partnern an der Peripherie abzustimmen. Wir würden das wohl nicht alleine machen, sondern uns ein paar Verbündete unter den soliden Euroländern suchen. Klar ist, daß der Rest der Eurozone dann ein großes Problem hat. Das wäre eine Weichwährungsunion der Fußkranken. Wir müssen uns in diesem Szenario auf ungeordnete Staatsinsolvenzen in der Peripherie einstellen – womöglich auch als eine Art Trotzreaktion nach dem Motto „Ihr werft uns raus und wir zahlen nicht mehr“.

Die ganze Sache müßte sorgfältig vorbereitet werden und zwar im Geheimen. Zunächst einmal müßten die Verflechtungen mit den Peripheriestaaten abgebaut werden. Die deutschen Banken und Versicherungen sollten Peripherieanleihen in Erholungsphasen in den Markt geben (das tun sie ja schon). Im Endeffekt landen die ganzen dubiosen Anleihen dann beim EFSF oder bei der EZB. Also muß Deutschland auch seine Positionen gegenüber diesen Adressen abbauen.

Was geschieht mit den öffentlichen Garantien für den dubiosen EFSF? Wir könnten einfach nicht zahlen. Wer EFSF-Anleihen gekauft hat, hat eben Pech gehabt. Deutsche Banken und Versicherungen sollten hier keine Engagements eingehen.

Sollte die EZB als Folge von Staatsinsolvenzen in der Peripherie überschuldet sein, könnten wir uns weigern, ihr Eigenkapital wieder aufzustocken. Die EZB wird nach dem Austritt sowieso nicht mehr gebraucht. Allerdings wären dann die Forderungen unserer Banken gegenüber der EZB gefährdet. Also wäre hier als präventive Maßnahme eine möglichst weitgehende Entflechtung angesagt.

Bleiben noch die Forderungen aus dem TARGET-System. Das ist der größte Brocken. Man kann diese Kredite gegenüber den anderen Zentralbanken nicht einfach fällig stellen. Wenn die Währungsunion auseinanderfällt, ist schlimmstenfalls sowohl mit Staats- als auch mit Zentralbankinsolvenzen zu rechnen. Wenn die TARGET-Forderungen auf Null abgeschrieben werden müßten, dann wäre auch noch die Bundesbank pleite – und die wird noch gebraucht.

Zuzugeben ist: Wenn wir das hart durchziehen müssen wir Verträge brechen und ein großer Teil des Kredites unseres Landes in der Außenpolitik und an den Kapitalmärkten ginge verloren. Außerdem ist der GAU im Sinne einer Kette von Staats- und Zentralbankinsolvenzen bei der harten Variante so gut wie sicher. Darum wird diesen Weg kein Politiker gehen, so lange er noch die geringste Chance sieht, daß die Krise innerhalb der Währungsunion mit derzeitigem Mitgliederstand bewältigt werden kann.

Denkbar wäre auch eine weiche Ausstiegsvariante, eine Währungsscheidung im allseitigen Konsens und ohne einseitige Vertragsbrüche. Das würde aber bedeuten: Weiter retten trotz einer Währungsscheidung. Die Pleiteländer würden in diesem Szenario erst einmal abwerten und damit ihre industrielle Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Gleichzeitig würde aber der Wert ihrer Euroschulden ansteigen und zwar in vielen Fällen auf ein nicht mehr tragbares Niveau.

Für diese Variante spricht, daß Abwertungen als Anpassungspuffer auch für die Zukunft wieder zur Verfügung stünden. Das ist ein ganz wesentlicher Vorteil. Dagegen spricht, daß die Möglichkeiten der soliden Länder, Druck auf die Schuldensünder auszuüben, bedeutend abnehmen würden. Insolvenzen wären auch in diesem Szenario zu erwarten. Die Völker werden sich fragen, warum sie sich immer neue Austeritätsprogramme zumuten sollen. Bei einem Schuldenstand von 120 oder 150 Prozent des BIP kann es für ein einzelnes Land rational sein, seine Zahlungen einzustellen oder den Gläubigern einen Vergleich anzubieten. Dann kann es zu Dominoeffekten kommen und uns erwischt auch in diesem Szenario die volle Breitseite über die Ansteckungskanäle EZB, EFSF, TARGET und Forderungen unser Banken und Versicherungen.

Also weiterretten in den existierenden Strukturen. Mit welchen Mitteln? Der einzige Hoffnungswert in diesem Szenario: Die Europäische Zentralbank kauft unbegrenzt Anleihen und spielt gleichzeitig den Strafrichter (wer Auflagen nicht erfüllt, wird mit höheren Zinsen bestraft). Dadurch gewinnen wir Zeit, die die überschuldeten Staaten nutzen, um sich gesundzusparen und ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Auch das ist ein Weg mit eigentlich unvertretbaren Risiken. Aber ein Funke Hoffnung bliebe. Es wäre sogar denkbar, daß die richtigen Schlußfolgerungen aus den Konstruktionsfehlern der Währungsunion gezogen werden. Eine Transferunion wird das Gebilde aber auf Jahrzehnte bleiben.

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