Das Wohneigentum und die Anpassung in der Euro-Peripherie

Ich habe gerade diesen sehr spannenden Beitrag über die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in den USA gelesen | The Economist http://econ.st/JwNkf2 .

Wenn sich wie in der Eurozone einmal wirtschaftliche Ungleichgewichte in Form auseinanderlaufender Lohnstückkosten und Arbeitslosenquoten eingestellt haben, dann bleibt nur noch die Wahl zwischen interner Abwertung und erhöhter Arbeitskräftemobilität. In den USA hat die Umzugshäufigkeit seit drei Jahrzehnten abgenommen und das ist auch eine Folge der gestiegenen Wohneigentumsquote. Die Hausbesitzer sind in der Tat deutlich weniger mobil als die Mieter. Also müssen auch die USA bei auftretenden regionalen Ungleichgewichten immer mehr auf die interne Abwertung setzen.

Wieso gibt es aber in den USA keine Vertrauenskrisen der Kapitalmärkte im Hinblick auf die Bonität einzelner Bundesstaaten? Ein Faktor ist sicherlich, dass die Bankenunion in den USA bereits weitgehend verwirklicht ist. Jedenfalls hat dort der Bund und nicht etwa die einzelnen Bundesstaaten die taumelnden Banken rausgehauen. Außerdem wird ja immer behauptet, dass in den USA der Bund nicht für die Schulden der Bundesstaaten haftet, woraus sich angeblich ein Anreiz ergeben würde, erst gar keine großen Schulden zu machen. Es trifft aber nicht zu, dass in den USA der Bund sich gar nicht in die Haushaltswirtschaft der Bundesstaaten einmischt. Das möchte ich dann lieber erst mal abwarten, was passiert, wenn zum Beispiel Kalifornien seine Zahlungen einstellt. Keine Ansteckungseffekte wie in der Eurozone, wenn der Bund zusieht und nichts unternimmt? Es gibt noch einen weiteren Punkt, der in den USA stabilisierend wirkt: Die Zentrale ist dort für einen viel größeren Teil der gesamten öffentlichen Einnahmen und Ausgaben zuständig und sie kann eigene Steuern erheben und sich beliebig verschulden. Nun sind die USA ja keine Blaupause für die Eurozone. Lernen können wir von diesem Beispiel, dass eine Bankenunion unverzichtbar ist. Und wer keinen europäischen Superstaat will, der muss sich damit abfinden, dass die einzelnen Staaten in ihrer Haushalts- und Budgetpolitik aufs engste an die Kandarre genommen werden. Die einzelnen Euro-Mitgliedsländer dürfen erst gar keine Schulden machen und die bereits aufgelaufenen Staatsschulden müssen sie mittelfristig auf ein tragbares Niveau von 60 % des BIP oder weniger zurückführen.

Aber zurück zur Rolle der Wohneigentumsquote. Mit leisem Schaudern kommen einem an dieser Stelle die extrem hohen Wohneigentumsquoten in der südlichen europäischen Peripherie in den Sinn. Schlechte Voraussetzungen also für die Mobilitätslösung. Das hätte man bereits bei der Abgrenzung des Euro-Teilnehmerkreises bedenken sollen: Eine hohe WohnEigentumsquote ist ein zusätzlicher Risikofaktor. Nun ist es zu spät. Es bleibt nur die schmerzhafte interne Abwertung oder aber der Austritt aus der Eurozone. Die interne Abwertung wird natürlich dadurch erschwert, dass gleichzeitig die Budgets saniert werden müssen. Es geht immer noch um die Korrektur der beiden großen Parallelen FehlEntwicklungen, der ausufernden Staatsverschuldung und der sich gemessen an den LohnStückkosten ständig verschlechternden Wettbewerbsfähigkeit in den Jahren des Scheinbooms.

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